BOBATH-KONZEPT

B O B A T H

 

Bobath-Konzept
Kurzinformation und ausführlichere Einführung in das Bobath-Konzept für Pflegende.

 

Literatur
Fachliteratur und weitere Veröffent- lichungen zu den Themen
“Bobath”, “Apoplex”, “Hemiplegie”, “Schlaganfall”.

 

Kurse
Kursangebot, Inhalte, Kursprogramme und Termine für anerkannte Bobath-Pflegekurse.

 

Links
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Einführung

Bewegung durch die Pflege ist Therapie:
Pflege von Menschen mit zentralen Lähmungen nach dem Bobath-Konzept

Lähmung, Spastik, apoplektischer Insult (Apoplex), Hirninfarkt, Halbseitenlähmung (Hemiplegie), ischämischer Insult, Hirnblutung (Intracranielle Blutung, ICB und Subarachnoidalblutung, SAB), Schädel-Hirn-Trauma (SHT), Multiple Sklerose (Enzephalomyelitis disseminata, ED), hypoxämischer Hirnschaden.

Rechte für Artikel und Bilder: Lothar Urbas, Hinter der Kirche 5, 68535 Edingen
Jede über Lesen und Ausdrucken dieses Artikels hinausgehende Nutzung nur mit ausdrücklichem Einverständnis des Autors!

  1. Inhalt und Ziel des Bobath-Konzeptes
  2. Bei wem wird Bobath-Konzept angewandt?
  3. Wie hat sich das Bobath-Konzept entwickelt?
  4. Welche Ziele werden angestrebt?
  5. Welche Bedeutung hat das Bobath-Konzept?
  6. 5.1. Was bringt das Bobath-Konzept für die Patienten?
    5.2.
    Was bringt das Bobath-Konzept für Pflege und Therapie?
    5.3.
    Wo sind die Grenzen der Arbeit nach Bobath?
  7. Welche Schwerpunkte hat die Pflegepraxis?
  8. 6.1. Lernangebot Lagerung
    6.2.
    Lernangebot Mobilisation und Handling
    6.3.
    Lernangebot Selbsthilfetraining (ATL-Training)
    6.4.
    Berufsbergreifende Zusammenarbeit
  9. Wie können Sie sich fortbilden?
  10. Literatur

 

1. Inhalt und Ziel des Bobath-Konzeptes

Das Bobath-Konzept ist das weltweit in allen pflegerischen Bereichen erfolgreich angewandte Pflege- und Therapiekonzept zur Rehabilitation von Menschen mit Erkrankungen des ZNS, die mit Bewegungsstörungen, Lähmungserscheinungen und Spastik einhergehen.

Die Kernprobleme bei der Arbeit nach dem Bobath-Konzept sind die zentral bedingte teilweise oder vollständige Lähmung (Parese bzw. Plegie) eines Körperabschnittes, die Haltungs-, Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen, unkontrolliert erniedrigte Muskelspannung (Hypotonus, schlaffe Lähmung) bzw. unkontrolliert erhöhte Muskelspannung (Hypertonus, Spastik) sowie die Störungen der Körperselbstwahrnehmung (Propriozeption).

Das Bobath-Konzept strebt einen Lernprozeß des Patienten an, um mit ihm die Kontrolle über die Muskelspannung (Muskeltonus) und Bewegungsfunktionen wieder zu erarbeiten. Die Arbeitsprinzipien des Bobath-Konzeptes sind Regulation des Muskeltonus und Anbahnung physiologischer Bewegungsabläufe. Alle Lernangebote an den Patienten werden nach diesen beiden Prinzipien gestaltet und auch vom Erfolg her beurteilt.

Die "Methoden" des Bobath-Konzeptes sind Lernangebote, die dem Patienten nach einem individuellen pflegerischen Befund von Problemen, Ressourcen und Pflegezielen wiederholt und gezielt entgegengebracht werden. Lernangebote der Pflegetherapie sind insbesondere die Lagerung (Vermeidung bzw. Hemmung der Spastik), das Handling (Bewegungsanbahnung) und das Selbsthilfetraining (Anbahnung der Selbstpflegefähigkeit). Ein schematisiertes Arbeiten mit stets gleichförmigen "Übungen" ist nicht im Sinne des Bobath-Konzeptes.

Die therapeutische Pflege von hirngeschädigten Menschen nach dem Bobath-Konzept muß so früh wie möglich beginnen, damit negative Entwicklungen, wie Ausbildung von Spastik und Erlernen unphysiologischer bzw. unnötiger, kompensatorischer Bewegungsabläufe verhindert bzw. kontrolliert werden können. Hemiplegiepatienten, die im Akutkrankenhaus nach Bobath gepflegt wurden, haben bessere Erfolgsaussichten in der weiteren Rehabilitation.

Das Bobath-Konzept bereichert die Pflege, weil es eine selbständige und vom Arzt unabhängige, selbstbestimmte therapeutische Pflege ermöglicht. Zugleich ermöglicht es eine echte, ineinandergreifende Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen im Krankenhaus. Ein positiver Effekt ist auch die sehr rückenschonende Arbeitsweise beim Handling nach Bobath.
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2. Bei wem wird Bobath-Konzept angewandt?

Patienten mit Hirnschäden und zentralen Lähmungen galten noch vor einigen Jahren als Pflegefälle. Durch gezielte pflegetherapeutische und andere therapeutische Maßnahmen können sie heute durchaus einer erfolgreichen Rehabilitation zugeführt werden. Typische Anwendungsbereiche des Bobath-Konzeptes sind alle Krankheitsbilder mit zentral bedingten Lähmungen, die mit Spastik einhergehen.

Die Erkrankung, bei der das Bobath-Konzept am häufigsten angewandt wird, ist der apoplektische Insult bzw. der Schlaganfall (Hirninfarkt), der mit einer Halbseitenlähmung (Hemiplegie) einhergeht. Die Zahl der Patienten mit ischämischen (durch Minderdurchblutung bedingten) Insulten (Anfällen), die die akute Phase des Krankheitsgeschehens überleben, nimmt in den letzten Jahren erheblich zu. Die veränderte Gestaltung ganz normaler Krankenpflege nach dem Bobath-Konzept verbessert die weiteren Aussichten dieser Patienten im Hinblick auf Selbständigkeit und Unabhängigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL).

Weitere Zielgruppen für die Anwendung des Bobath-Konzeptes sind Menschen mit Krankheitsbildern, wie z. B. Zuständen nach Hirnblutungen (Intracranielle Blutungen, ICB und Subarachnoidalblutungen, SAB), Schädel-Hirn-Traumen (SHT), Zuständen nach neurochirurgischen Operationen, Multiple Sklerose (Enzephalomyelitis disseminata, ED), entzündlichen Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS), dem apallischen Durchgangssyndrom sowie allen anderen Erkrankungen des ZNS, die mit Spastik bzw. Lähmungen einhergehen.

Bei diesen Menschen wird das Bobath-Konzept in allen Bereichen der Pflege, wie der Versorgung auf der Intensivstation, der Akutpflege, der Pflege in der Rehabilitation, der häuslichen Pflege und der Altenpflege und Langzeitpflege erfolgreich eingesetzt. Fachgerechte Pflege nach den Prinzipien des Bobath-Konzeptes ist für den erkrankten Menschen nicht nur erfahrene Hilfe durch Pflege, sondern auch gezielte Therapie an seinen individuellen Problemen. Deshalb spricht man von der Pflegetherapie nach Bobath.
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3. Wie hat sich das Bobath-Konzept entwickelt?

Das Bobath-Konzept hat seinen Namen nach seinen beiden im Jahr 1991 verstorbenen Urhebern, der Krankengymnastin Berta Bobath und dem Arzt Dr. Karl Bobath. Die Entwicklung des Bobath-Konzeptes begann etwa um 1943. Frau Bobath entdeckte bei der Behandlung schwer spastischer Patienten, daß die Spastik des Patienten durch bestimmte Lagerungen, Stellungen und Bewegungen nachließ oder sogar verschwand. Sie erkannte, daß Spastik nicht wie bisher allgemein angenommen eine feststehendes, konstantes Phänomen ist, sondern von der Stellung und der Bewegung des Körpers beeinflußt wird. Durch systematische Beobachtung vieler Patienten und Erprobung weiterer Behandlungstechniken entstand so das Bobath-Konzept als empirisches (auf Erfahrungen gestütztes) Behandlungskonzept. Die neurophysiologischen Grundlagen des Konzeptes wurden von dem Neurologen Dr. Karl Bobath, dem Ehemann von Berta Bobath, erarbeitet und das Konzept damit untermauert.

Das Ehepaar Bobath bezeichnete die von ihnen entwickelte Arbeitsweise ausdrücklich als ein Konzept und nicht als eine Methode. Das Bobath-Konzept beinhaltet also keine vorgeschriebenen Pflegetechniken, Methoden oder Übungen, die mit allen Patienten in stets gleicher Weise zu absolvieren sind, sondern es berücksichtigt vielmehr die individuellen Möglichkeiten und Grenzen eines Patienten und bezieht diese unter Anwendung einiger Prinzipien in die Pflege und Therapie mit ein.

Zunächst wurde das Bobath-Konzept überwiegend bei Kindern mit Zerebralparese eingesetzt. In den 60er Jahren wurde dieses Konzept auf die Pflege und Therapie erwachsener Patienten ausgedehnt. Heute stellt es das erfolgreichste und weltweit anerkannte ganzheitliche Pflege- und Behandlungskonzept für Hemiplegiker und andere Hirngeschädigte dar.

Seit 1994 arbeitet in Deutschland eine Organisation von Pflegekräften, die BIKA (Bobath-Initiative für Kranken- und Altenpflege e. V.). Die BIKA fördert die Verbreitung und Weiterentwicklung des Bobath-Konzeptes in der Kranken- und Altenpflege und regelt die Ausbildung von Pflegeinstruktoren für Bobath.
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4. Welche Ziele werden angestrebt?

Die Ziele des Bobath-Konzeptes ergeben sich aus den zentralen Problemen von Patienten mit Schädigungen des ZNS: die zentral bedingte teilweise oder vollständige Lähmung (Parese bzw. Plegie) eines Körperabschnittes, die damit verbundenen komplexen Bewegungsstörungen, die unkontrollierte Muskelspannungsveränderung (Spastik, schlaffe Lähmung), die Störungen im Gesicht des Patienten und beim Kauen und Schlucken sowie die propriozeptiven Wahrnehmungsstörungen. So ergeben sich folgende Ziele des Bobath-Konzeptes, die mit der pflegetherapeutischen Arbeit in Zusammenarbeit mit dem Patienten und den anderen beteiligten Berufsgruppen erarbeitet werden können.:

  • Vermeidung bzw. Hemmung von Spastik und Wiederherstellung eines angepaßten Muskeltonus
  • Anbahnung normaler, beidseitiger Bewegung, Vermeidung eines kompensatorischen Fehleinsatzes der weniger betroffenen Seite
  • Normalisierung der Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Umwelt
  • Anbahnung normaler Gesichts-, Mund-, Zungen und Schlundmotorik,
  • Selbständigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL)

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5. Welche Bedeutung hat das Bobath-Konzept?

5.1 Was bringt das Bobath-Konzept für die Patienten?

Mit dem Bobath-Konzept wird im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden keine notdürftige Kompensation der Lähmungen sondern das Wiedererlernen normaler Bewegungsfähigkeiten erreicht. Intensive Mitarbeit des Patienten vorausgesetzt, wird der gelähmte Patient wieder selbständiger in den Aktivitäten des täglichen Lebens. Dauernde Pflegebedürftigkeit, Abhängigkeit von fremder Hilfe und Unterbringung im Pflegeheim können so in vielen Fällen verhindert werden. Der frühzeitige Einsatz therapeutischer Bobath-Pflege schon auf der Intensivstation kann negative Entwicklungen, wie die Ausbildung von Spastik und das Erlernen unphysiologischer Bewegungsabläufe vermindern helfen. Die fortgesetzte Anwendung der Prinzipien des Bobath-Konzeptes bewirkt für alle Patienten bessere Erfolgsaussichten in der weiteren Rehabilitation.
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5.2 Was bringt das Bobath-Konzept für Pflege und Therapie?

Die Pflegearbeit nach Prinzipien des Bobath-Konzepts ermöglicht therapeutische Pflege als ständigen Bestandteil des gesamten Tagesablaufes des Patienten. Pflege, therapeutische Mitarbeiter und Ärzte arbeiten zusammen nach den gleichen, berufsübergreifenden Prinzipien. Pflegetherapeuten verbringen die meiste Zeit mit dem Patienten. Deshalb übernimmt die Alten- und Krankenpflege im Bobath-Konzept wichtigste therapeutische Aufgaben. Normale Krankenpflege wird zur Therapie. Alle an der Rehabilitation Beteiligten arbeiten eng zusammen. Patient, Ärzte, Pflegetherapeuten, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Sprachtherapeuten, andere Therapeuten und Angehörige des Patienten orientieren sich an einem gemeinsamen berufsübergreifenden Therapieschema, den Prinzipien des Bobath-Konzeptes.

Die Mobilisation und das Handling des Patienten nach dem Bobath-Konzept sind besonders rückenschonend und ökonomisch, da sie sich an der normalen Bewegung des Menschen orientieren und ausschließlich mit Zug- und Hebelkräften arbeiten. Der Patient wird in keinem Fall gehoben.
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5.3 Wo sind die Grenzen der Arbeit nach Bobath?

Der Rehabilitationserfolg bei hirngeschädigten Patienten ist auch bei der Arbeit nach dem Bobath-Konzept nicht garantierbar und von zahlreichen Faktoren abhängig.

Die der Erkrankung zugrunde liegende Hirnschädigung kann mit der Arbeit nach Bobath nicht ungeschehen gemacht werden. Sie beeinflußt nach Art und Umfang natürlich die Lernfähigkeit, d. h. die Fähigkeit des Gehirns zur Umorganisation der Zusammenarbeit der intakten Nervenzellen. Besonders mehrfache Hirnschädigungen oder diffuse Hirnschädigungen, z. B. durch generellen Sauerstoffmangel nach Reanimation (Hypoxämischer Hirnschaden) sind für den Lernprozeß weniger günstig, da sie die Fähigkeit des Gehirnes zur Umorganisation nicht nur herdförmig sondern global beeinträchtigen. Zusätzlich können durch die Hirnschädigung bedingte Hirnleistungsstörungen (Neuropsychologische Störungen) die Lernfähigkeit einschränken.

Die Motivation zur aktiven Mitarbeit des Patienten ist ein ganz entscheidenden Faktor. Sie wird von der Persönlichkeit des Patienten vor seiner Erkrankung, seiner individuellen Krankheitsverarbeitung und auch der Art seiner Hirnschädigung mitbestimmt. Die Motivation muß durch wiederholte und offene Information des Patienten erhalten werden. Die beste Motivation wird durch den für Patienten selber erkennbaren Erfolg und Fortschritt erreicht.

Angehörige nehmen eine wichtige Rolle ein. Sie können die Motivation des Patienten positiv und negativ beeinflussen, ihn aktivieren oder zur Passivität anhalten, die Krankheitsverarbeitung maßgeblich mitbestimmen und so den Rehabilitationsverlauf erheblich mitbestimmen. Deshalb ist ihre frühe Einbeziehung und Information im Bobath-Konzept vorgesehen und entscheidend.

Für die effektive Gestaltung des Lernprozesses nach Bobath ist es wichtig, daß nicht nur die Pflege, sondern alle an der Rehabilitation des Patienten beteiligten Berufsgruppen miteinander und möglichst gleichartig arbeiten. Je weniger eine solche ineinandergreifende Zusammenarbeit stattfindet und je unterschiedlicher Berufsgruppen mit dem Patienten arbeiten, desto geringer wird der Lernerfolg des Patienten sein.

Unter günstigen Voraussetzungen ist eine fast vollständige Wiederherstellung des Patienten durchaus möglich. Wir können aber keinem Patienten eine vollständige Heilung durch seine Mitarbeit im Rahmen des Bobath-Konzeptes versprechen. In jeden Fall werden aber durch die Pflege nach Bobath gegenüber konzeptionsloser Pflege immer bessere Rehabilitationserfolge erzielt werden.
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6. Welche Schwerpunkte hat die Pflegepraxis?

Das Bobath-Konzept strebt einen Lernprozeß des Patienten an, um ihm die Kontrolle über den Muskeltonus und die verlorenen Bewegungsfunktionen wieder verfügbar zu machen. Dieser Lernprozeß basiert auf der lebenslangen Lernfähigkeit des Gehirnes durch ständige Umorganisation der Zusammenarbeit der Nervenzellen untereinander und der unvollständigen Nutzung der Nervenzellen des Gehirnes (Plastizität des Gehirnes). Das "Ergebnis" dieses angestrebten Lernprozesses ist die Bahnung von Funktionen auf der Ebene der Nervenzellen im Gehirn durch die Aktivierung vorhandener Synapsen (Verbindungen zwischen Nervenzellen) bzw. die Bildung neuer synaptischer Verbindungen zwischen den Nervenzellen.

Der Lernprozeß nach dem Bobath-Konzept findet nicht nur während zeitlich begrenzter Therapiesitzungen statt, sondern ist ständiger Bestandteil des gesamten Tagesablaufes. Alle an der Rehabilitation Beteiligten arbeiten eng zusammen. Patient, Pflegetherapeuten, andere Therapeuten, Ärzte, und Angehörige des Patienten orientieren sich rund um die Uhr an gemeinsamen berufsübergreifenden Arbeitsprinzipien. Dabei hat aber jede Berufsgruppe eigene Schwerpunkte der praktischen therapeutischen Arbeit.
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6.1 Lernangebot Lagerung

Die Lagerung stellt wegen der regelmäßigen Wiederholung, gerade in der Akutphase ein besonders wichtiges Lernangebot für den Patienten dar. Über eine konsequent durchgeführte und fachgerechte Lagerung kann in jedem Fall eine Muskeltonuserhöhung günstig beeinflußt und begrenzt werden. Ebenfalls wird eine unerwünschte Behinderung des durchaus erwünschten Aufbaus eines funktionellen Muskeltonusees verhindert. Ohne therapeutische Lagerung sind die Rehabilitationsaussichten wesentlich ungünstiger.

Für Patienten mit Störungen der Körperwahrnehmung, die oft durch große Unruhe oder starke Spastik auffallen, ist die Lagerung eine gute Möglichkeit, die Wahrnehmung des eigenen Körpers gezielt zu intensivieren. Ganz im Gegensatz zu verbreiteten Vorstellungen der Dekubitus-Prophylaxe wird man versuchen, diese Patienten eher hart zu lagern. Über den höheren Auflagedruck und die zusätzliche Einbettung festen Lagerungsmateriales und damit mehr Kontaktfläche auch an den nicht aufliegenden Körperteilen soll der Patient mehr Spürinformation über den eigenen Körper erhalten. Selbstverständlich muß in jedem Einzelfall eine individuelle Abwägung zwischen der Dekubitusgefahr auf der einen Seite und dem pflegetherapeutischen Nutzen härterer Lagerung andererseits erfolgen. In vielen Fällen wird man alleine durch die regelmäßige Umlagerung in kürzeren Intervallen aber schon eine ausreichende Dekubitus-Prophylaxe erzielen!

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6.2 Lernangebot Mobilisation und Handling

Das Handling, also die therapeutische Handhabung des Patienten bei der Bewegung erfolgt z.B. im Rahmen einer jeden Mobilisation, u. a. beim Betten, beim Umlagern, beim Aufstehen und Umsetzen in den Rollstuhl, usw. Immer, wenn ein Patient bewegt oder transportiert wird, werden die Techniken des Handlings eingesetzt. Der Pflegetherapeut übernimmt durch Gestaltung der Situation und durch Führen der betroffenen Körperteile die ausgefallenen Bewegungsfunktionen. Der Patient setzt die Fähigkeiten seiner nicht betroffenen Körperanteile ein. Durch Führen in physiologische Bewegungsabläufe hinein und damit richtigen Input als Lernangebot wird die Anbahnung bzw. Wiedererlangung normaler, bilateraler Bewegung ermöglicht.
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6.3 Lernangebot Selbsthilfetraining (ATL-Training)

Das Selbsthilfetraining heißt auch ATL-Training, da hier die Selbständigkeit bei den Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) geübt wird. Durch die Einbeziehung von regelmäßig wiederkehrenden Alltagstätigkeiten in die Bobath-Therapie wird der Lernprozeß des Patienten besonders intensiviert. Durch Gestaltung der Ausgangssituation (Lagerung bzw. Ausgangsstellung des Patienten, Hilfsmittel, Umgebung) wird eine Kontrolle des Muskeltonus angestrebt. Aus dieser tonuskontrollierten Situation heraus lernt der Patient durch die Führung des Pflegetherapeuten, seine betroffenen Körperanteile bzw. seinen gesamten Körper immer wieder in Aktivitäten einzubeziehen. Damit ist neben der Selbständigkeit bzw. Selbsttätigkeit auch wieder die Anbahnung bzw. der Abruf physiologischer, vor der Erkrankung erlernter Bewegungsprogramme verbunden. Geeignete Bereiche für therapeutisch gestaltetes ATL-Training sind z. B. Körperpflege, An- und Ausziehen und Nahrungsaufnahme. Es handelt sich dabei um für den Patienten aus der Zeit vor seiner Erkrankung vertraute Handlungen, für die er vor seiner Erkrankung genaue Konzepte und Bewegungsprogramme besaß. Die Pflegetherapie kann so auf konkrete Bewegungserfahrung zurückgreifen und muß nicht von Grund auf neue, zunächst abstrakte Bewegungen erarbeiten. Die Motivation und Orientierung des Patienten ist durch die vertraute, konkrete und lebenspraktisch bedeutsame Situation meistens besser, als in abstrakten und fern der Lebenspraxis gestalteten therapeutischen Übungssituationen.

Besonders im Rahmen der Körperpflege ergeben sich wieder zusätzliche Möglichkeiten therapeutischer Stimulation der Körper-Eigenwahrnehmung (Propriozeption). Hier finden sich interessante Parallelen zwischen dem Bobath-Konzept und der Basalen Stimulation, die einen gegenseitig ergänzenden Einsatz beider Konzepte bei manchen Patienten nahelegen.

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6.4 Berufsübergreifende Zusammenarbeit

Das Bobath-Konzept ist ein 24-Stunden-Konzept. Da das Gehirn immer lernt, müssen die Lernangebote bewußt richtig gestaltet werden, um fehlerhafte Lernprozesse zu vermeiden. D.h. der Lernprozeß nach dem Bobath-Konzept findet nicht nur während zeitlich begrenzter Therapiesitzungen statt, sondern ist ständiger Bestandteil des gesamten Tagesablaufes. Dazu ist es erforderlich, daß sich jeder, der mit dem Patienten Kontakt hat, nach den beiden Prinzipien des Bobath-Konzeptes (Regulation des Muskeltonus und Anbahnung physiologischer Bewegung) orientiert. Der Patient selbst, Pflegetherapeuten, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Sprachtherapeuten, Ärzte, andere Therapeuten und Angehörige des Patienten orientieren sich im Idealfall rund um die Uhr an einem gemeinsamen berufsübergreifenden Therapieschema, um das Lernangebot für das Gehirn so gleichartig und unwidersprüchlich wie möglich zu gestalten.

Pflegetherapeuten verbringen im Vergleich zu anderen Therapeuten die meiste Zeit mit dem Patienten. Deshalb übernimmt die Kranken- und Altenpflege im Bobath-Konzept wichtigste therapeutische Aufgaben. Ohne die Pflege ist eine Umsetzung des Bobath-Konzeptes als umfassender Lernprozeß nahezu unmöglich. Wenn nur die Krankengymnastik nach dem Bobath-Konzept arbeitet, die Pflege jedoch mit ihrem viel höheren Zeitanteil konservativ pflegt, wird der Patient das Lernangebot der Krankengymnastik kaum aufnehmen können, da die teilweise widersprüchlichen, sogar gegenteiligen Reize aus der Pflege zeitlich und zahlenmäßig bei weitem überwiegen. Die erfolgreiche Realisierung des Bobath-Konzeptes ist also weitgehend in die Hände der Pflege gelegt. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Angehörigen ist deren Anleitung z.B. des Lebenspartners ebenfalls Aufgabe des Pflegetherapeuten.
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7. Wie können Sie sich fortbilden?

Fortbildungen zum Bobath-Konzept in der Pflege werden fast überall in Deutschland angeboten. Gute, von der BIKA (Bobath-Initiative für Kranken- und Altenpflege e. V.) anerkannte Bobath-Pflegegrundkurse dauern mindestens 8 Tage. Oft werden 10-tägige BIKA-anerkannte Bobath-Pflegekurse in zwei Teilen angeboten. Bei allen anerkannten Kursen wird immer mit Patienten gearbeitet und ein Instruktor leitet maximal 12 Kursteilnehmer an. Bei mehr als 12 Teilnehmern ist ein Kursassistent anwesend. Die von der BIKA anerkannten Kurse werden ebenfalls von der deutschen Gruppe der IBITA (International Bobath Instructors Training Association), der internationalen Bobath-Organisation der Krankengymnasten anerkannt.

Kurzkurse von drei Tagen ohne Arbeit mit Patienten, die oft von Berufsverbänden und anderen Anbietern veranstaltet werden, sind für die Pflegepraxis am Patienten nicht sinnvoll.

Kontaktanschriften für anerkannte Bobath-Pflegekurse:

  • BIKA e.V., Wikingerstraße 28, 76307 Karlsbad-Langensteinbach
  • Schulungszentrum für Bobath-Therapie am Albertinenhaus- Sellhopsweg 18-22, 22459 Hamburg-Schnellsen
  • Schulungszentrum am Therapiezentrum Burgau, Dr. Friedl-Straße 1, 89331 Burgau
  • ZENITH Fortbildungszentrum, Kliniken Schmieder, Auf dem Berg, 78260 Gailingen

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8. Literatur

  • Bobath, B.: Die Hemiplegie Erwachsener, Befundaufnahme, Beurteilung und Behandlung, Thieme Stuttgart 1985
  • Davies, P.M.: Hemiplegie, Springer Heidelberg 1986
  • Davies, P.M.: Im Mittelpunkt, Springer Heidelberg 1991
  • Geisseler, T.: Halbseitenlähmung, Hilfe zur Selbsthilfe, Springer Heidelberg 1991
  • Jay, P. E.: Hilf Dir selbst, Ratschläge für Hemiplegiker und ihre Angehörigen, Huber Bern 1981
  • Johnstone, M.: Der Schlaganfall-Patient - Grundlagen der Rehabilitation, Fischer Stuttgart 1980
  • Johnstone, M.: Die Hausbetreuung des Schlaganfallpatienten - im Wiederherstellungsmuster leben, Fischer Stuttgart 1987
  • Juchli, L.: Krankenpflege, 5. Auflage, Thieme Stuttgart 1987
  • Neander, K.-D., Strohmeyer, K.: Dekubitusprophylaxe und Bobath-Lagerung - sich widersprechende Maßnahmen? Die Schwester/Der Pfleger 1/1992, S. 49ff
  • Poeck, K., Neurologie: Springer Heidelberg 1992
  • Pschyrembel, W.: Klinisches Wörterbuch, de Gruiter Berlin 1994
  • Seel, M.: Die Pflege des Menschen, Kunz Hagen 1992
  • Therapeutische Pflege nach Bobath. Video-Lehrfilm, Hannover 1992
  • Urbas, L.: Pflege eines Menschen mit Hemiplegie nach dem Bobath-Konzept, 2. Auflage, Thieme Stuttgart 1996
  • Urbas, L.: Das Bobath-Konzept - Aspekte der Anwendung in Geriatrie und Intensivpflege. Intensiv 4/1996, S. 115-121
  • Urbas, L.: Die Grenzen zur Therapie überschreiten - Das Bobath-Konzept in der Krankenpflege. Pflege-Zeitschrift 2/1995, S. 78-81
  • Vereinigung der Bobath-Therapeuten Deutschlands e.V. (Hrsg.): Zum Gedenken an Dr. h.c. Berta Bobath und Dr. med. Karl Bobath, München 1991
  • Zinn, W. M.: Hemiplegie-Merkblatt, Medizinisches Zentrum Bad Ragaz 1989

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