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Lothar Urbas
Pflege eines Menschen mit Hemiplegie nach dem Bobath-Konzept
2. überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag,
Stuttgart 1996
DM 39,80, ISBN 3-13-113802-5 |
Kurzinhalt:
Das vorliegende Buch aus der Praxis vermittelt:
- Eine umfassende Darstellung der Pflege von Menschen, die eine Hemiplegie aufgrund eines Schlaganfalles, apoplektischen Insultes oder anderer Hirnschädigungen, wie z.B. Hirnblutungen erlitten haben.
- Die Pflege auf der Basis der Aktivitäten des täglichen Lebens.
- Möglichkeiten zur therapeutischen Gestaltung der alltäglichen Pflegetätigkeiten am Patienten.
- Das Bobath-Konzept als ein modernes und erfolgreiches Rehabilitationskonzept, bei dem in gemeinsamer Arbeit von Patienten, Pflegenden, Therapeuten und Ärzten ein Lernprozeß zur
Wiedererlangung verlorener Fähigkeiten eingeleitet wird.
- Hilfen zur Selbsthilfe für die Betroffenen und Angehörigen, um die Lebensqualität zu erhalten und dauerhafte Pflegebedürftigkeit möglichst zu verhindern.
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Vorworte:
Vorwort zur zweiten Auflage: In der vorliegenden 2. Auflage des Buches wurde versucht, durch sprachliche Überarbeitungen und
einige Ergänzungen in Text und Tabellen die Inhalte noch verständlicher und eindeutiger zu vermitteln. Einige Zeichnungen wurden zur genaueren Verdeutlichung des Handlings überarbeitet.
Die zahlreichen Rückmeldungen und Anregungen, die ich dankenswerterweise erhielt, wurden bei der Überarbeitung, soweit möglich, berücksichtigt. Für ihre Unterstützung besonders danken möchte ich
dabei der BIKA (Bobath-Initiative für Kranken- und Altenpflege e. V.), in der sich erfahrene Pflegekräfte bei der Verbreitung des Bobath-Konzeptes in der Pflege und der Ausbildung von
“Pflegeinstruktoren Bobath" engagieren und Bobath-Pflegekurse von Pflegekräften für Pflegekräfte durchführen. Nach wie vor ist es das Hauptanliegen dieses Buches, Hilfen zur zeitgemäßen und erfolgreichen
therapeutischen Pflege von halbseitig gelähmten Menschen zu geben. Ich freue mich aber auch, daß ich die Bedeutung einer therapeutischen Pflege für alle pflegerischen Berufsgruppen in der Krankenpflege
und vor allem auch der Altenpflege nochmals unterstreichen kann. Therapeutisch Pflegende sind ATL-Therapeuten, also Pflegetherapeuten. Unser Selbstverständnis darf nicht sein, Patienten möglichst
schnell sauber, satt, angezogen und therapiefertig zu machen. Für eine menschengerechte und effektive Pflege müssen wir statt dessen unsere Kenntnisse und Erfahrungen im ATL-Bereich gezielt zur geplanten,
patientenbezogenen und individuellen Anleitung in Zusammenarbeit mit dem Patienten bzw. Bewohner einsetzen. Linz am Rhein, Sommer 1996 Lothar Urbas [Zurück zum Seitenanfang] Vorwort zur ersten Auflage:
Hirnverletzte Patienten, insbesondere die halbseitig gelähmten Patienten nach einem Schlaganfall, galten in der Zeit meiner Krankenpflegeausbildung Mitte der 70er Jahre als schwer rehabilitierbar und wurden oft
zu Pflegefällen. Heute ist bei einem Patienten mit einer Läsion des zentralen Nervensystems eine Rehabilitation ebenso erfolgreich durchführbar wie z. B. nach einem Herzinfarkt!
Das Wissen über die speziellen Möglichkeiten der Rehabilitation von Hemiplegikern ist in der Pflege leider noch wenig verbreitet. Deshalb entschloß ich mich, dieses Buch zu schreiben, um meine positiven
Erfahrungen mit dem Bobath-Konzept und meine Begeisterung für die therapeutische Pflege nach diesem Konzept an meine Berufskollegen weiterzugeben.
Das Buch richtet sich an Pflegekräfte in der Kranken- und Altenpflege, die in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Rehabilitationskliniken und in der häuslichen Pflege mit Hemiplegikern arbeiten.
Interessierte Angehörige und Betroffene selber sind natürlich auch angesprochen. Besonders würde ich mich freuen, wenn das Buch die Einbeziehung des Bobath-Konzeptes in den Unterricht im Fach
“Rehabilitation" bzw. in die innerbetriebliche Fortbildung ermöglichen würde, wie es an einigen Krankenpflegeschulen und Krankenhäusern bereits üblich ist.
Das Bobath-Konzept bedeutet eine Chance für die Pflege, als gleichwertiger Partner im therapeutischen Team pflegerisch tätig zu werden. Um auf den ausgeprägten therapeutischen Aspekt der Pflege nach
dem Bobath-Konzept hinzuweisen, wird in diesem Buch der Begriff “Pflegetherapeut" anstelle von “Krankenschwester" und “Krankenpfleger" benutzt. Krankenpflegepersonen, also Pflegetherapeuten,
pflegen und behandeln den Patienten im Bereich der Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) selbständig und verantwortlich. Der Aufbau des Buches orientiert sich deshalb an den ATL.
Die beschriebenen Pflegemaßnahmen beziehen sich auf erwachsene Hemiplegiker. Die komplexe Vielfalt neurologischer Krankheiten bedingt, daß nicht jeder Hemiplegiker alle im Buch geschilderten Probleme
und Störungen hat. Die Bezeichnung “der Patient" bzw. “der Hemiplegiker" schließt gleichermaßen männliche wie weibliche Patienten ein. Die gelähmte Seite wird stets als “betroffene Seite" bezeichnet, um
die Ablehnungstendenzen des Patienten gegenüber seiner gelähmten Seite nicht durch die Wortwahl zu unterstützen. Die verschiedenen Lagerungsarten und das Handling werden im Text detailliert beschrieben. Durch
Teilnahme an einem Bobath-Pflegekurs sollte der Leser die geschilderten Pflegemaßnahmen aber zusätzlich praktisch üben.
Die Numerierung der Arbeitsschritte soll die Nachvollziehbarkeit der Pflegemaßnahmen erleichtern, auf keinen Fall jedoch ein schematisiertes und rigides Vorgehen nach den aufgezählten Teilschritten
propagieren! Gerade bei neurologischen Erkrankungen mit ihren individuell ausgeprägten Schädigungsbildern muß die Persönlichkeit, die eigene Zielsetzung und die aktuelle Bedürfnislage und
Lebenssituation jedes einzelnen Patienten immer in den ganzheitlichen Pflege- und Therapieplan einbezogen werden, damit kein standardisiertes und damit sinnentleertes Funktionstraining angewendet wird!
Ich hoffe, daß dieses Buch einen Beitrag dazu leisten kann, das Bobath-Konzept in der Pflege bekannter zu machen und daß durch die Umsetzung der therapeutischen Pflege nach dem Bobath-Konzept die
Selbständigkeit und Unabhängigkeit von Hemiplegikern in allen ihren Lebensaktivitäten weiter verbessert werden kann. Bei der Arbeit an diesem Buch habe ich Hilfe und Rat von vielen Menschen erhalten. Ich möchte allen
Beteiligten auf diesem Wege herzlich danken. Meine Frau Ursula hat mich in jeder Phase der Arbeit aktiv begleitet und als Krankengymnastin fachlich beraten. Ohne sie wäre dieses Buch nicht entstanden.
Sehr herzlich möchte ich dem Ärztlichen Direktor der Westerwaldklinik Waldbreitbach, Herrn Priv.-Doz. Dr. Dr. med. P. Bülau danken, der mich in jeder Hinsicht unterstützt hat. Wertvolle Hinweise
zu ihren jeweiligen Fachgebieten erhielt ich von Herrn Oberarzt Dr. med. U. Reinke, Frau Dipl.-Psych. Yasmin Prokscha, Frau Dipl.-Sprachheilpäd. Susanne Okreu und meinem Kollegen Herrn Rolf Lay. Für
die Fotografien danke ich Herrn Dieter Bollmann vom Studio Gegenlicht, Neuwied, und meinen Kollegen Frau Gabriele Lorenz und Rolf Lay. Vielen anderen Helfern, die hier nicht alle genannt werden
können, sei ebenfalls herzlich gedankt. Besonderen Dank aber möchte ich allen Patienten aussprechen, die durch ihre aktive und geduldige
Mitarbeit bei Pflege und Therapie und bei den Fotoarbeiten dieses Buch erst möglich gemacht haben. Waldbreitbach, Januar 1994 Lothar Urbas [Zurück zum Seitenanfang] Geleitwort zur zweiten Auflage:
Wer braucht Pflege? Angelehnt an Virginia Henderson können wir sagen: derjenige, der sich nicht selbst pflegen kann, der nicht genügend Kraft, Willen, Einsicht und Geschicklichkeit hat, alles das zu tun, was
zum Erhalt der Gesundheit nötig ist. Was aber so leicht und selbstverständlich von der Hand geht, wenn wir es für uns selber tun, solange wir
gesund und selbständig sind, wird zu einer komplexen Aufgabe, wenn wir es am Körper eines anderen ausführen, der zudem durch Krankheit und Behinderung verändert ist. Dann genügen ein hilfreiches Herz
und geschickte Hände nicht mehr, professionelle Kenntnisse und Fertigkeiten müssen schon hinzukommen, wenn Pflege mehr nützen als schaden will.
Damit sind nicht nur die dramatischen Fehler gemeint, nicht nur das falsche Medikament, das Übersehen des lebenswichtigen Alarmzeichens, sondern auch die zahllosen kleinen Effekte auf Körper und Psyche,
die bei der langfristigen Pflege eines Menschen gravierende Folgen haben: die Anleitung zur falschen Bewegung, die zum Dauerschaden führt; die routinierte neutrale Sachlichkeit, die zum Verlust der
Selbstachtung beiträgt; die zu weitgehende Übernahme von Eigenaktivität, die zur erlernten Hilflosigkeit führt. Diese Kette ließe sich lange weiterführen.
Mindestens genauso lang ist aber die Kette der positiven Effekte, die eine professionelle Pflege bewirken kann: das Erlernen von günstigen Bewegungsabläufen, das Hinführen zu mehr Selbständigkeit, die
Erfahrung von Respekt und Zuwendung trotz Krankheit, Alter und Behinderung. Keine Berufsgruppe verbringt so viel Zeit mit den Patienten wie die Pflegemitarbeiter, niemand hat so
häufig die Gelegenheit zur positiven Einflußnahme. In der Akutsituation und in der Langzeitbetreuung ist die selbständige diagnostische und therapeutische Kompetenz der Pflege gefragt.
Von den rund 2 Millionen Menschen, die in der Bundesrepublik dauernd auf Pflege angewiesen sind, leidet ein großer Teil an den Folgen eines Schlaganfalles. Die durch den Schlaganfall ausgelösten
Funktionsdefizite sind so komplex, daß ein hohes Maß an pflegerischer Fachkompetenz erforderlich ist. Wer nicht weiß, was ein Hemineglect, eine räumlich-konstruktive Störung, eine Apraxie IV oder ein
Pusher-Syndrom sind, wer die Spastik weder beurteilen noch beeinflussen kann, wer die Hemiplegieschulter nicht angemessen handhabt, wird dem Patienten durch Pflege schaden.
Kenntnisse und Fertigkeiten des Bobath-Konzeptes gehören zum Pflichtrepertoire im Umgang mit Postapoplexpatienten, das belegt die klinische Erfahrung (wobei Grenzen und Möglichkeiten noch
weiterer wissenschaftlicher Klärung bedürfen). Das vorliegende Buch ist geeignet, Kenntnisse zum Bobath-Konzept zu vermitteln. Es macht neugierig
darauf, sich in Ausbildung, Weiterbildung und Anleitung durch Kolleginnen und Kollegen auch praktisch mit dem Schlaganfall und seinen Folgen auseinanderzusetzen. Es ist didaktisch gelungen und fachlich
kompetent. Es ist ein Buch, das sich zu lesen lohnt. Esslingen, im Juli 1996 Dr. med. M. Runge Ärztlicher Direktor G. Rehfeld Direktorin des pflegerischen und therapeutischen Bereiches
Geriatrische Klinik Esslingen
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Inhaltsverzeichnis: 1. Allgemeine theoretische und medizinische Gesichtspunkte 1.1. Geschichte des Bobath-Konzeptes 1.2. Krankheiten mit Halbseitensymptomatik
1.2.1. Zerebrovaskuläre Erkrankungen 1.2.1.1. Zerebrale Mikroangiopathie
1.2.1.2. Zerebrale Makroangiopathie
1.2.1.3. Zerebrale Massenblutung 1.2.2. Hirntumore
1.2.3. Traumatische Schädigungen
1.2.3.1. Blutungen und Hämatome
1.2.3.2. Offene oder gedeckte Hirnverletzung 1.2.4. Schädigungsort und Funktionsausfall 1.3. Neurophysiologische Grundlagen des Bobath-Konzeptes
1.3.1. Funktionsmodell des Gehirns 1.3.2. Entstehung der Spastik
1.4. Konsequenzen für Pflege und Therapie
2. Spezielle Pflegeprobleme beim Hemiplegiker 2.1. Offensichtliche Einschränkungen - Somatische Störungen
2.1.1. Allgemeine Symptome bei Hemiplegie 2.1.2. Das spastische Muster 2.2. "Unsichtbare" Probleme - Neuropsychologische Störungen
2.2.1. Häufige Störungsbilder 2.2.1.1. Apraxien
2.2.1.2. Agnosien
2.2.1.3. Räumliche Orientierungsstörungen 2.2.2. Das Neglect-Phänomen
2.2.3. Das Pusher-Syndrom 2.3. Sprach- und Sprechstörungen 2.3.1. Aphasie 2.3.2. Dysarthrie
2.4. Schulter- und Handprobleme
2.4.1. Die normale Schulter 2.4.2. Die schlaffe Schulter
2.4.3. Die schmerzhafte Schulter 2.4.4. Das Hand-Syndrom
2.5. Epileptische Anfälle
3. Rehabilitative Pflege 3.1. Grundlagen der Pflege
3.1.1. Allgemeine Pflegeprinzipen und Pflegeziele
3.1.2. Psychische Betreuung
3.1.3. Gestaltung der Umgebung 3.2. Beschäftigung und Lernen 3.3. Kommunizieren 3.4. Bewegung: Lagerung und Handling 3.4.1. Ziele der Lagerung
3.4.2. Allgemeine Hinweise zur Lagerung nach Bobath
3.4.3. Lagerung 3.4.3.1. Sitzen im (Roll-) Stuhl, Sitzen am Tisch
3.4.3.2. Lagerung auf der hemiplegischen Seite
3.4.3.3. Lagerung auf der nicht betroffenen Seite
3.4.3.4. Sitzen im Bett (Langsitz)
3.4.3.5. Lagerung in der Rückenlage 3.4.4. Handling
3.4.4.1. Bilaterale Armführung
3.4.4.2. Becken anheben
3.4.4.3. Becken heben und zur Seite rutschen
3.4.4.4. Oberkörper heben und seitlich absetzen
3.4.4.5. Oberkörper aufrichten
3.4.4.6. Drehen im Bett
3.4.4.7. Höher rutschen
3.4.4.8. Tiefer rutschen
3.4.4.9. Rutschen bei schweren Patienten
3.4.4.10. Auf die Bettkante setzen
3.4.4.11. Vor- und Zurückbewegung im Sitzen
3.4.4.12. Sitzen auf der Bettkante
3.4.4.13. Transfer Bett - (Roll-)Stuhl - Bett
3.4.4.14. Tiefersetzen im Stuhl, Aufstehen aus dem Stuhl
3.4.5. Pflege bei Schulter- und Handproblemen
3.4.5.1. Pflege bei schmerzhafter Schulter
3.4.5.2. Pflege beim Hand-Syndrom
3.5. Kleidung und Körperpflege 3.5.1. An- und Ausziehen
3.5.2. Waschen 3.5.2.1. Aktiver Einsatz des betroffenen Armes
3.5.2.2. Führen der Hand und des Armes
3.5.2.3. Waschen mit Kompensation der Parese
3.5.3. Baden und Duschen
3.5.3.1. Baden und Duschen in der Badewanne
3.5.3.2. Duschen in der Dusche
3.5.3.3. Vorgehen beim Duschen 3.5.4. Hand- und Nagelpflege
3.5.5. Mundhygiene (Facio-Oraler Trakt I) 3.6. Essen und Trinken (Facio-Oraler Trakt II)
3.6.1. Mund- und Eßtherapie 3.6.2. Eß- und Trinktraining 3.6.3. Sondenernährung 3.7. Ausscheiden
3.7.1. Obstipation
3.7.2. Urininkontinenz 3.7.3. Stuhlinkontinenz
4. Literaturhinweise [Zurück zum Seitenanfang] |